Knorpelschaden

Ursache und Symptome

Als Gelenkknorpel wird der Gelenksüberzug bezeichnet, welcher dem Gelenk seine speziellen Elastizitäts- und Gleitfähigkeiten bringt und die Passgenauigkeit eines Gelenks herstellt. Schon kleine Schädigungen des Gelenkknorpels führen zur Störung des komplexen Gleichgewichts innerhalb eines Gelenks. Verletzungen des Knorpels sind sehr schmerzhaft, wenn der darunterliegende Knochen mit geschädigt ist. Ohne Mitbeteiligung des Knochens variiert die Schmerzhaftigkeit, jedoch führt ein Knorpelschaden unbehandelt in jedem Falle zum vorzeitigen Gelenkverschleiss (Arthrose).

Abklärungen und Behandlungen

Schädigungen des Knorpels waren früher schicksalhafte Erkrankungen, welche sich praktisch nicht therapieren liessen. Auch heute gelingt es noch mit keiner Methode, den natürlichen Gelenkknorpel wieder herzustellen. Mit neueren chirurgischen Verfahren kann allerdings Gelenkknorpel in den Defekt transplantiert werden. Bei grösseren Defekten kann zudem ein qualitativ genügender Ersatzknorpel aufgebaut werden, um einer Arthroseentwicklung frühzeitig entgegenzuwirken und die Schmerzen zu reduzieren. Grundsätzlich ist es vorteilhaft, Knorpelschädigungen so früh wie möglich zu therapieren.

Mikrofrakturierung

Operation

Die Grundlagen der Mikrofrakturierung sind schon seit vielen Jahren bekannt und in Anwendung. Durch Anbohren des Knochens unter einem Knorpelschaden kommt es zum Austritt von Stammzellen. In der Knorpeldefektzone sammeln sich diese Stammzellen und bilden dort über Monate einen Reparaturknorpel. Dieser hat zwar nicht die mechanisch exzellenten Eigenschaften eines reinen Gelenkknorpels, führt aber bei kleineren Defekten bis zu 2cm² zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Diese Operation kann in der Regel arthroskopisch, also ohne Eröffnung des Gelenkes, durchgeführt werden.

Nachbehandlung

Je nach Grösse und Lokalisation des therapierten Knorpelschadens sollte das betroffene Bein 2-8 Wochen nur teilbelastet werden. Ambulante Physiotherapie hilft, Schwellungen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhalten. Mit geringen Beschwerden muss bis zu einem Jahr nach Operation gerechnet werden. Je nach Beruf resultiert eine Arbeitsunfähigkeit von 2-12 Wochen.

Knorpel-Knochentransplantation

Operation

Die Knorpel-Knochentransplantation (OATS) ist die einzige Möglichkeit, einen Knorpeldefekt durch Gelenkknorpel und nicht durch minderwertigen Reparaturknorpel zu ersetzen. Bei dieser Operation wird aus einem gesunden Bereich des Kniegelenkes ein Zylinder aus Knorpel mit dem darunterliegenden Knochen entfernt und in den Knorpeldefekt transplantiert. Oft ist dies im Rahmen einer Kniespiegelung (Arthroskopie) durch kleine Schnitte möglich, ansonsten wird das Knie durch eine 4-6cm grosse Inzision eröffnet. Entnahmezylinder und Spenderzylinder müssen dabei die gleiche Grösse aufweisen. Dieses Verfahren ist besonders für Knorpelschäden von bis zu 1cm² Grösse geeignet.

Nachbehandlung

Das operierte Bein wird für sechs Wochen teilbelastet, eine Knieschiene ist nicht notwendig. Die Beweglichkeit ist frei. Ambulante Physiotherapie ist für drei Monate notwendig. Der Spitalaufenthalt beträgt 2-4 Tage. Eine Arbeitsunfähigkeit resultiert je nach Beruf für 2-10 Wochen.

Minced-Cartilage (Autocart)

Operation

Bei der Autocart-Technik wird verbliebener Knorpel aus einer Defektgrösse von bis zu 4cm² gesammelt und anschliessend gemahlen. Die so gewonnene Knorpelpaste wird zur Füllung des Defektes verwendet und anschliessend im Knorpeldefekt verklebt. Somit handelt es sich um eine einzeitige Möglichkeit, eigenen Knorpel in den Defekt zu transplantieren. An den meisten Stellen im Kniegelenk ist dieser Eingriff arthroskopisch möglich.

Nachbehandlung

Eine konsequente Teilbelastung des operierten Beines ist notwendig, ebenso das Tragen einer Kniegelenksschiene mit limitierter Beweglichkeit. Physiotherapie ist für 3-4 Monate notwendig, eine komplette Ausheilung des Knorpeldefektes ist frühstens nach sechs Monaten zu erwarten.

AMIC

Operation

Die AMIC (Autologe Matrix-induzierte Chondrogenese) ist eine Weiterentwicklung der Mikrofrakturierung. Über den Knorpeldefekt wird nach Säuberung und Mikrofrakturierung eine spezielle Matrix aus Kollagenfasern gelegt. Diese Matrix, auch Knorpelfliess genannt, wird passgenau zurechtgeschnitten und füllt dann den Knorpeldefekt aus. Die Fixierung erfolgt mittels Naht oder Fibrinkleber. Treten durch die Mikrofrakturierung nun Stammzellen aus dem Knochen in den Knorpeldefekt aus, so sammeln sich diese in der Matrix. Inspiriert durch die knorpelähnliche Struktur der Matrix wandeln sich die Stammzellen zu knorpelähnlichen Zellen um und beginnen mit der Knorpelproduktion. Im Gegensatz zur Mikrofrakturierung ist diese Methode auch für grössere Knorpeldefekte von bis zu 6-8cm² geeignet. Dieser Eingriff erfolgt durch eine kleine Eröffnung des Kniegelenkes von ca. 6cm.

Nachbehandlung

Das operierte Bein muss für sechs Wochen teilbelastet werden, ebenso lange muss eine Knieschiene getragen werden. Sport ist erst nach acht Wochen (Velo) bzw. nach sechs Monaten (Jogging) möglich. Ambulante Physiotherapie ist für drei Monate, Krafttraining für 6-9 Monate notwendig. Eine Arbeitsunfähigkeit besteht je nach Beruf zwischen 2-16 Wochen.

Korrekturosteotomie

Ursache und Symptome

Ziel einer Korrekturosteotomie ist die Veränderung der Beinachse, um einen Knorpeldefekt vom Gewicht des Körpers zu entlasten. So ist beispielsweise beim O-Bein vor allem die innere Seite des Kniegelenkes stark belastet. Befindet sich dort ein Knorpelschaden, lastet auf den Schaden ein grosser Druck durch das Körpergewicht. Die Folge sind Schmerzen unter Belastung, in fortgeschrittenen Stadien auch in Ruhe.

Abklärung und Behandlung

Spezielle Röntgenaufnahmen von beiden Beinen (Orthoradiogramm) sind unbedingt notwendig, um die Beinachsen zu bestimmen. Der Grad der Fehlstellung und damit die Korrektur wird so erkannt. Ein MRI kann die nicht betroffene Seite des Kniegelenkes darstellen, diese darf keinen Schaden aufweisen. In einem ersten Schritt werden dem Patienten von mir Schuheinlagen bzw. Schuhranderhöhungen verordnet, um den Effekt einer Korrekturosteotomie zu simulieren. Je nach Erfolg dieser Massnahme wird dann die Korrektur der Beinachse durchgeführt.

Operation

Je nach Art der Fehlstellung wird der Knochen des Unter- oder Oberschenkels fast vollständig durchtrennt und so weit gerichtet, bis der notwendige Korrekturgrad erreicht ist. Der korrigierte Knochen wird dann durch eine Platte fixiert. Das Kniegelenk selbst wird in dieser Operation nicht eröffnet. Die Fixierung erfolgt durch eine Platte. Nach dm Eingriff ergibt sich eine durchschnittliche Schmerzbefreiung von ca. 10 bis 15 Jahren.

Nachbehandlung

Belastung und Beweglichkeit des operierten Beins sind frei, Gehstützen jedoch meist für 4-6 Wochen notwendig. Ambulante Physiotherapie zum Kraftaufbau ist für drei Monate indiziert. Eine Arbeitsunfähigkeit besteht je nach Beruf für 4-12 Wochen. Der Spitalaufenthalt beträgt ca. 4-7 Tage.